Care-Arbeit fair teilen – warum dieser Rechner mehr zählt als Geld
Wenn aus zwei Menschen eine Familie wird, verändert sich alles: Schlaf, Zeit, Energie, Einkommen. Vieles davon passiert leise. Wer plant die nächste Woche? Wer denkt an den Impftermin? Wer steht nachts auf? Wer tröstet – und wer merkt, dass getröstet werden muss?
Dieser Rechner macht sichtbar, was im Alltag unsichtbar bleibt. Nicht als Abrechnung zwischen Partnern, sondern als gemeinsame Landkarte – damit ihr als Team entscheiden könnt, wie ihr eure Zeit, euer Geld und eure Energie aufteilen wollt.
💛 Warum dieser Rechner anders ist
Die meisten Partnerschaftsrechner fragen: „Wer verdient was?“ Unserer fragt auch: Wer leistet was – bezahlt und unbezahlt? Wer plant, organisiert, erinnert, tröstet? Denn erst wenn beides auf dem Tisch liegt, ergibt sich ein ehrliches Bild. Und ehrliche Bilder sind der Anfang guter Gespräche.
So funktioniert der Rechner – Schritt für Schritt
1Schnellstart: Wählt euer Profil Klassisch (einer Vollzeit, einer zuhause), Beide Teilzeit, Vollzeit + Minijob, oder Individuell. Das Profil füllt realistische Werte vor – ihr könnt danach alles anpassen. Tragt eure Namen ein, damit sich der Rechner persönlich anfühlt.
2Einkommen: Vorher & Jetzt Das Herzstück: Was habt ihr vor den Kindern verdient? Das ist eure gemeinsame Basis. Und was verdient ihr jetzt? 0 € ist völlig okay – das bedeutet einfach, dass jemand gerade Vollzeit für die Familie da ist. Tipp: Elterngeld (ca. 67 %, max. 1.800 €) könnt ihr hier eintragen.
3Arbeitszeit & Pendeln Wer arbeitet wie viel, wer pendelt wohin? Diese Stunden sind wichtig, weil sie zeigen: Wer hat überhaupt noch Zeit für den Rest?
4Kinderbetreuung: Allein & Zusammen Solo-Betreuung (einer passt auf, der andere ist nicht da) zählt voll. Gemeinsame Betreuung zählt auch – denn auch wenn beide da sind, ist die Zeit trotzdem „verplant“. Der Rechner fragt, wer dabei mehr Verantwortung trägt.
5Nacht & Schlaf Nächtliches Aufwachen zählt mit Faktor ×1,5, weil fragmentierter Schlaf deutlich belastender ist als Tagesarbeit. Und jeder trägt seine eigene Schlafzeit ein – denn „83 Stunden frei“ klingt nach viel, bis man 52 Stunden Schlaf abzieht. Der Rechner zeigt euch eure echte Freizeit.
6Care-Arbeit & Mental Load Hier wird’s spannend: Von „Kochen“ über „An alles denken“ bis „Stimmung wahrnehmen“ – 30 Aufgaben in 5 Kategorien. Im Schnellmodus schiebt ihr 5 Regler. Im Detailmodus geht ihr jede Aufgabe einzeln durch. Die Regler zeigen den IST-Zustand – keine Schuld, keine Bewertung.
7Ergebnis: Drei Perspektiven Der Ausgleichsbetrag, der Marktwert eurer Care-Arbeit, und das 3-Konten-Modell für eine faire Aufteilung. Dazu ein Text, den ihr euch gegenseitig schicken könnt – als Gesprächseinstieg, nicht als Anklage.
Die 5 Care-Kategorien im Detail
Jede Kategorie hat einen Marktwert-Stundensatz – das ist der Betrag, den ihr einer professionellen Kraft dafür zahlen würdet. Das soll Care-Arbeit nicht „kommerzialisieren“, sondern sichtbar machen, wie viel sie wert ist.
🍽 Haushalt & Versorgung – 14 €/h
Kochen, Einkaufen, Putzen, Wäsche, Spülen, Müll, Reparaturen. Das Fundament, auf dem alles steht – und das auffällt, sobald es mal nicht gemacht wird. Standard: ~16 h/Woche.
🧠 Mentale Organisationsarbeit – 25 €/h
An alles denken, Termine koordinieren, Geschenke, Urlaube planen, Rechnungen, Arzttermine, Familienkontakte. Die unsichtbarste aller Aufgaben – mit dem höchsten Stundensatz, weil sie Projektmanagement-Kompetenz erfordert. Standard: ~9 h/Woche.
💜 Emotionale Care-Arbeit – 20 €/h
Zuhören, Da-sein, Streit moderieren, Stimmungen wahrnehmen, Trösten, Gespräche initiieren, Nähe gestalten. Das, was eine Familie zusammenhält – und was kein Haushaltsplan erfasst. Standard: ~7 h/Woche.
👶 Kinderbezogene Care – 16 €/h
Tägliche Versorgung (Anziehen, Füttern, Wickeln, Baden – allein ~2 h/Tag!), Bringen & Abholen, Hausaufgaben, Kita-/Schulorga, Kleidung, Freizeitplanung, kranke Kinder. Standard: ~23 h/Woche.
👥 Beziehungs- & Sozialpflege – 25 €/h
Familie/Freunde pflegen, Feiertage organisieren, Einladungen managen. Das soziale Netz, das eine Familie trägt. Standard: ~2 h/Woche.
Wie der Ausgleich berechnet wird
Die Formel ist einfach und fair: Der Rechner nimmt euer Einkommen vor den Kindern als Grundlage. Wenn Anna vorher 40 % des Familieneinkommens beigetragen hat und Bob 60 %, dann sollte Anna auch jetzt 40 % des aktuellen Familieneinkommens zur Verfügung haben – egal, ob sie gerade verdient oder nicht.
Die Differenz zwischen „Soll“ und „Ist“ ist der Ausgleichsbetrag. Das ist kein Almosen und kein Taschengeld – es ist der faire Anteil an einem Einkommen, das gemeinsam ermöglicht wird.
Rechenbeispiel: Vor Kindern: Anna 2.500 € (42 %), Bob 3.500 € (58 %). Aktuell: Anna 0 € (Elternzeit), Bob 3.200 €. Fairer Anteil Anna: 3.200 × 42 % = 1.344 €. Anna bekommt aktuell 0 €. Ausgleich: 1.344 €/Monat von Bob an Anna.
Das 3-Konten-Modell – gleich viel eigenes Geld
Wenn ein Partner weniger oder gar nichts verdient, entsteht oft ein komisches Gefühl: Eine Person „verdient das Geld“, die andere muss fragen. Das ist weder fair noch gut für die Beziehung – obwohl beide gleich viel leisten, nur eben unterschiedlich.
💰 Schritt 1: Ausgleich Der Mehrverdiener überweist den errechneten Betrag. Damit haben beide ihren fairen Anteil.
👛 Schritt 2: Eigenes Geld Beide bekommen den gleichen Betrag als persönliches Budget – für Hobbies, Kleidung, Geschenke. Kein Fragen, kein Rechtfertigen.
🏠 Schritt 3: Gemeinsames Konto Der Rest fließt auf ein Familienkonto: Miete, Lebensmittel, Kita, Versicherungen, Urlaub.
💡 Das Ergebnis Finanzielle Gleichstellung ohne Abhängigkeit. Beide wissen, was sie haben. Beide können eigenständig entscheiden.
Warum Schlaf mehr zählt, als ihr denkt
Der Rechner fragt nach eurem eigenen Schlaf – und das aus gutem Grund. „83 Stunden frei pro Woche“ klingt nach viel. Aber zieht 52 Stunden Schlaf ab, und es bleiben 31 Stunden für alles andere: Essen, Duschen, Erholung, Freunde, Sport, einfach mal nichts tun.
Dazu kommt: Wer nachts aufsteht, verliert nicht nur die Minuten des Aufstehens. Fragmentierter Schlaf ist nachweislich weniger erholsam als durchgehender Schlaf – selbst bei gleicher Gesamtdauer. Der Rechner berücksichtigt das: Jedes nächtliche Aufwachen kostet zusätzlich 50 % der Aufwachzeit als Erholungsverlust.
Beispiel: 2× Aufwachen pro Nacht à 15 Minuten = 30 Min. Direktverlust + 15 Min. Erholungsverlust = 45 Min./Nacht effektiver Schlafverlust. Bei 7 Nächten: über 5 Stunden weniger erholsamer Schlaf pro Woche. Das ist kein Detail – das verändert, wie man sich fühlt, denkt und funktioniert.
5 Tipps für das Gespräch zu zweit
1. Zusammen ausfüllen – nicht allein
Der Rechner wirkt am besten, wenn ihr ihn gemeinsam durchgeht. Nicht als Überraschungsangriff, sondern als gemeinsames Projekt: „Lass uns mal schauen, wie unsere Woche eigentlich aussieht.“ Nebeneinander auf dem Sofa, nicht gegenüber am Tisch.
2. IST beschreiben, nicht bewerten
Die Regler zeigen den IST-Zustand. „Du machst 70 % der Termine“ ist eine Feststellung. „Du kümmerst dich nie um Termine“ ist ein Vorwurf. Der Unterschied klingt klein, verändert aber das ganze Gespräch.
3. Über Stunden sprechen, nicht über Schuld
Wenn Anna 85 Stunden Aufgaben pro Woche hat und Bob 62, dann ist das kein Vorwurf an Bob. Es ist eine Realität, die sich über Monate eingeschlichen hat – oft ohne dass es jemandem aufgefallen ist. Der erste Schritt ist, es zu sehen. Der zweite, gemeinsam zu entscheiden, ob und was sich ändern soll.
4. Den „Zum Teilen“-Text nutzen
Am Ende der Berechnung generiert der Rechner einen sachlichen Text mit euren Zahlen. Ihr könnt ihn kopieren und euch schicken – als sanften Einstieg, bevor ihr euch hinsetzt. Er ist bewusst wertungsfrei formuliert: Fakten, keine Vorwürfe.
5. Kleine Schritte, große Wirkung
Ihr müsst nicht sofort alles umkrempeln. Vielleicht reicht es, eine Aufgabe bewusst zu tauschen. Oder den Ausgleichsbetrag nicht auf den Cent genau zu überweisen, sondern als Richtwert zu nehmen. Das Ziel ist nicht Perfektion – es ist Bewusstsein. Und daraus wächst alles Weitere.
Was der Rechner nicht kann
Kein Schuldrechner: Der Rechner zeigt Stunden und Euros, nicht Liebe. Wer nachts aufsteht, tut es (meistens) nicht widerwillig. Wer Vollzeit arbeitet, tut es (meistens) auch für die Familie. Beides ist wertvoll.
Keine Rechtsberatung: Der Ausgleichsbetrag ist eine Diskussionsgrundlage, kein juristischer Anspruch. Bei unverheirateten Paaren mit hohen Beträgen kann Schenkungssteuer relevant werden (20.000 € Freibetrag in 10 Jahren) – der Rechner weist darauf hin.
Kein Ersatz fürs Gespräch: Die Zahlen sind der Anfang, nicht das Ende. Was ihr daraus macht, entscheidet ihr – als Team.
Kein Kindergeld, keine Kita-Kosten: Der Rechner betrachtet Einkommen und Zeit, nicht Ausgaben. Kita (0–800 €/Monat) und Kindergeld (250 €/Kind) könnten den Ausgleich verändern – berücksichtigt das bei eurer Diskussion.
Snapshot, kein Film: Der Rechner bildet eure aktuelle Woche ab. Elternzeit, Teilzeitphasen, Schulbeginn – all das verändert die Zahlen. Kommt gerne wieder, wenn sich etwas ändert.
💛 Das Wichtigste: Hinter jeder Stunde und jedem Euro steht ein Mensch, der sein Bestes gibt. Dieser Rechner ist kein Werkzeug zur Abrechnung – er ist eine Einladung zum Gespräch. Nutzt ihn so, wie er gemeint ist: mit Neugier, mit Wohlwollen, und mit dem Wissen, dass ihr auf derselben Seite steht.
Von der Zahl zum Plan
Ihr habt die Zahlen – aber wie setzt ihr das konkret um? 3-Konten-Modell, Altersvorsorge-Ausgleich, Absicherung? Im Erstgespräch schauen wir gemeinsam, was für eure Situation passt.
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